Drei Gründe, warum Sie Nachhaltigkeit bei Ihrer Altersvorsorge berücksichtigen sollen

Beim Thema Altersvorsorge geht es ja heute – anders als noch vor 10 bis 15 Jahren – nicht mehr darum zu verstehen, dass jeder halbwegs gut verdienende Österreicher privat vorsorgen muss, um seinen Lebensstandard im Alter annähernd halten zu können. Es geht heute vielmehr darum, wie er dies macht und ob Einkommen und Lebensstil es erlauben, den dafür nötigen Betrag auf die Seite legen zu können. Für junge Menschen gilt hier als Faustregel, wer ab dem 25. Geburtstag 10% des Nettoeinkommens für die Pensionsvorsorge aufbringt, sollte im Alter wenig finanziellen Stress haben. Je später man allerdings startet, desto schwieriger wird es.

Wir bewegen also für unseren Ruhestand – egal in welcher Sparform – eine beachtliche Menge Geld. Die Bausteine der Altersvorsorge können vielfältig sein, von der eigengenutzten Immobilie über Lebensversicherungen und Investmentfonds bis hin zu Anlegerwohnungen. Auf Grund der gegebenen Langfristigkeit der Investments bewirken hier kleine Veränderungen bei Ertrag und Risiko sehr viel – und somit kommt die Nachhaltigkeit ins Spiel. Lesen Sie, welche drei Gründe es gibt, diese in Ihrer Altersvorsorge zu berücksichtigen.

 

  1. Immobilien – die Kosten unter Kontrolle haben

 

Immobilien sind derzeit gefragte Investments. Die niedrigen Zinsen und die gefühlte Unsicherheit unserer Zeit bringen viele Anleger dazu, ihr Geld in Wohnimmobilien zu stecken. Das Preisniveau ist dadurch allerdings gestiegen und wir sehen von Jahr zu Jahr neue Rekordstände bei den Immobilienpreisen. Wer heute kauft, kauft also eher teuer, was natürlich die Rendite drückt. Daher ist es hier essentiell wichtig, die Betriebskosten unter Kontrolle zu haben. Diese sind, über die Lebensdauer eines Objektes gerechnet, noch einmal gleich hoch wie die Baukosten.

Nachhaltige Immobilieninvestments berücksichtigen aus diesem Grund viele Kostentreiber schon in der Planung und im Bau. Ist das Haus altersgerecht bzw. barrierefrei gestaltet oder zumindest ohne viel Aufwand adaptierbar? Hat es eine gute Wärmedämmung und damit niedrige Heizkosten? Ist die Lage so, dass auch in einer Zukunft mit geänderten Mobilität hier Menschen leben wollen? Sind die Baumaterialen bei einem Abriss kostengünstig zu entsorgen oder entsteht teurer Sondermüll? Professionelle Immobilienanleger stellen bereits vermehrt diese Fragen , und Labels wie LEED (USA), BREEAM (UK) oder DGNB (D) werden immer bedeutender für die Vermietbarkeit von Immobilien.

Vergleiche zeigen – zuletzt in der Schweiz am Beispiel zweier auf Nachhaltigkeit setzender Immobilienfonds – dass eine solche Ausrichtung einen leichten Mehrertrag aus den betreffenden Investments bringt. Folglich sollten Sie – ganz egal ob als Anleger oder für die eigene Immobilie – Wert darauf legen, dass auch Ihr Investment diese Kriterien berücksichtigt. Ein weiterer Pluspunkt, den ich für dieses Segment erwarte, ist eine bessere Vermietbarkeit nachhaltiger Wohnungen, wenn der Wohnungsmarkt einmal – und auch das wird wieder einmal kommen, wir reden ja von echten Langfristinvestments – vom Vermieter- zum Mietermarkt kippt.

 

  1. Aktien – alternativlose Renditebringer

 

Sparbücher und ähnliche Produkte sind zur Altersvorsorge ungeeignet. Seit 2010 sind die Realerträge (Zinsen minus Inflation) auf österreichischen Sparbüchern sogar negativ, hier wird also Kaufkraft vernichtet anstatt vermehrt. Deshalb kommt man bei langfristigen Investments um Aktien nicht herum. Der Wirtschaftshistoriker Moritz Schularick von der Universität Bonn hat die 16 wichtigsten Industrieländer seit 1870 untersucht und festgestellt, dass Aktien pro Jahr respektable 7,3% Rendite lieferten. Wohnimmobilien waren mit 8,7% p.a. zwar noch ertragreicher, sind aber als alleiniges Vorsorgeinstrument nicht ideal, da sie zu unflexibel und gerade in Österreich gesetzlich oft stark beschränkt sind. Außerdem kann diese Rendite in Österreich heute nicht einmal ansatzweise erreicht werden, denn die Kaufpreise liegen aktuell vergleichsweise hoch.

Das spricht also für eine Investition in Aktien. Aber in welche? Bei Aktien verdiene ich an den zukünftigen Gewinnen der Firmen, in die ich investiert habe. Ich mache also dann langfristig Gewinne, wenn die Firmen langfristig Gewinne machen. Um das zu erreichen müssen betreffende Unternehmen eine klare Geschäftsidee für die kommenden Jahre und Jahrzehnte aufweisen, mit einer guten Führung und einer starken Firmenkultur ausgestattet sein und geringe Risiken eingehen, die Gewinne oder gar die Firma vernichten können. Mittlerweile legt eine Vielzahl an Studien nahe (Mercer und UNEP 2007, darauf aufbauend Sjöström 2011), dass es eher mehr Ertrag als weniger Ertrag bringt, wenn man nachhaltig investiert.

Es existiert eine Fülle an Investmentfonds, die mit unterschiedlichen Nachhaltigkeitssätzen und Investmentstilen agieren. Hier kann fast jeder Anleger das passende Produkt finden, je nach persönlichem Ertrags-Risiko-Profil und nach den individuellen Vorstellungen von ethischer Geldanlage. Sie erreichen damit mehrere Ziele auf einmal: Erstens bekommen Sie eine breite Risikostreuung im Vergleich zu Einzeltiteln, zweitens einen Investmentansatz, der zu Ihnen passt, und drittens kümmert sich jemand um die laufende Wartung der Anlageprodukte – wofür Ihnen wohl Zeit und/oder das Know-how fehlen.

 

  1. Lebensqualität – in welcher Welt möchte ich meinen Ruhestand verbringen

 

Wir leben in der wohlhabendsten Welt aller Zeiten. Hunger und Kindersterblichkeit sind weltweit niedrig wie selten zuvor, wir leben ohnehin mehr oder minder im Überfluss. Allerdings sehen wir auch konkrete Bedrohungen für unseren Wohlstand. Selbst wenn das 2-Grad-Klimaziel des Klimavertrages von Paris erreicht wird – wofür noch massive Anstrengungen nötig sind – bedeutet das, dass es weder Gletscher in unseren Alpen noch Korallen in den Weltmeeren geben wird. Und als weitaus dramatischere Auswirkung des Klimawandels werden 1,5 Milliarden Menschen auf diesem Planeten von Wasserknappheit bedroht sein. Kriege um Wasser und daraus resultierende Fluchtbewegungen sind somit vorgezeichnet.

Hand aufs Herz: Wie soll die Welt aussehen, in der Sie Ihren Ruhestand verbringen möchten? Ist es die Welt, in der Rüstungskonzerne viel Geld verdienen, weil es viele Kriege gibt. Eine Welt, in der der Klimawandel außer Kontrolle gerät, weil die Energielobby zu stark war? Eine Welt, in der nach Tschernobyl und Fukushima ein weiteres AKW „berühmt“ wird? Oder wäre Ihnen eine Welt mit dezentraler, erneuerbarer Energieversorgung lieber, eine Welt, die technologisch die Folgen des Klimawandels eindämmen und die den Kampf gegen die Armut in der Welt weiterführen kann?

Wenn Sie eine der zuletzt genannten Welten bevorzugen, seien Sie sicher, Sie sind damit nicht allein  – und entsprechend sollten Sie dann auch investieren. Alleine in Deutschland, der Schweiz und Österreich waren Ende 2015 über 255 Milliarden Euro nachhaltig veranlagt. Ein Zuwachs um 110% gegenüber 2014. Für 2016 liegen noch keine Zahlen vor, der Trend setzt sich aber weiter fort.

 

Mein Fazit:

  1. Nachhaltige Immobilien sind einfach durchdachter als Standardwohnungen, bringen leicht höhere Erträge und sind langfristig wahrscheinlich besser vermietbar.
  2. Ein moderater Nachhaltigkeitsansatz, zum Beispiel die Bevorzugung der jeweiligen „Klassenbesten“ in sozialer und ökologischer Hinsicht, scheint in positiver Korrelation zu den Erträgen zu stehen. Je länger das Investment dauert, desto deutlicher und stärker ist diese positive Korrelation.
  3. Sie sind nicht alleine – das Volumen nachhaltiger Geldanlagen steigt massiv und damit einhergehend auch Angebot und Qualität. Probieren Sie es doch einfach mal aus!
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Geld ist auch Frauensache

Heute darf ich einen Gastbeitrag meiner Kollegin Mag. Petra Wendl präsentieren, die sich – wie man aus dem Titel durchaus schon vermuten kann – seit Jahren intensiv mit dem weiblichen Zugang zu Geld auseinandersetzt. Auf www.esgehtumsgeld.at schreibt sie noch mehr zu diesem Thema.

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„Geld ist Männersache“, „Frauen können nicht mit Geld umgehen“, „Wenn Frauen investieren, dann in Schmuck und Schuhe“ – Klischee-Sätze wie diese hört man leider auch noch im Jahr 2016 viel zu oft. Und Klischees sind wie Glaubenssätze: Irgendwann glaubt man sie. Seit vielen Jahren arbeite ich mit Männern und Frauen, die ihren Umgang mit Geld verbessern möchten. Dabei habe ich festgestellt, dass Frauen viel besser mit Geld umgehen können als sie vielleicht glauben. Woher kommen nun diese Glaubenssätze, die Frauen das Gefühl vermitteln wollen, sie seien unfähig im Umgang mit Geld? Und gibt es vielleicht doch Unterschiede zwischen den Geschlechtern, wenn es um ums Geld geht?

Inwiefern Frauen und Männer anders mit Geld umgehen
Meine Erfahrung hat gezeigt, dass es sehr wohl Unterschiede zwischen Mann und Frau gibt, wenn es um den Umgang mit Geld geht: Frauen informieren sich besser, stehen zu ihren Entscheidungen und schichten ihr Geld nur halb so oft um wie Männer. Somit sparen sie eine Menge an Gebühren. Männer hingegen überschätzen öfters ihr Wissen und informieren sich weniger umfassend. Sie gehen tendenziell höhere Risiken ein und legen gerne in Aktien und Zertifikate an, während Frauen das Risiko lieber streuen. Das liegt auch daran, dass Frauen noch immer weniger verdienen als Männer – und je geringer das Einkommen, desto geringer die Sparrate und der Anteil an Kapital, das risikofreudig angelegt werden kann. Ein weiterer Punkt ist das soziale Gewissen: Frauen tendieren dazu, in „grüne Veranlagungen“ zu investieren, die für soziale Fairness und Nachhaltigkeit eintreten. So tun sie nicht nur Gutes mit ihren Investitionen, sondern erzielen auch Gewinne, die mit nicht „grünem Geld“ vergleichbar sind.

Warum Frauen das Thema Geld gerne an Männer abgeben
Dennoch kümmern sich viele Frauen tatsächlich ungern um Finanzen, wenn sie einen Partner haben, der das für sie übernimmt. Oft ist es so, dass sie erst Interesse zeigen, wenn große Veränderungen wie die Geburt eines Kindes oder ein Arbeitsplatzwechsel anstehen. Woran das liegt? Ich habe immer wieder die Erfahrung gemacht, dass es Frauen nicht so viel bedeutet, für sich selbst zu sparen. Kinder oder der gemeinsame Urlaub haben hier Vorrang. Leider ist auch heute noch das traditionelle Rollenbild für viele die Realität: Der Mann bringt das Geld nach Hause und verwaltet die Finanzen – vor allem wenn die Frau in Karenz geht und nachher eine Teilzeitstelle antritt. Das hat zur Folge, dass sich viele Frauen von ihren Partnern finanziell abhängig fühlen.

Ändern Sie Ihre Glaubenssätze und nehmen Sie Beratung in Anspruch
Das muss aber nicht sein! Meine Erfahrung hat nämlich auch gezeigt, dass sich alte Rollenmuster und damit verbundene Glaubenssätze auflösen lassen und Frauen sehr schnell lernen, für sich selbst finanzielle Verantwortung zu übernehmen. Basisinformationen und Wissen können sie sich von einem Experten oder einer Expertin holen. „Geld ist Männersache“ gehört der Vergangenheit an, denn einmal mehr heißt es: Ladies first!

Kinderarbeit: Ein Thema, dass Anleger betrifft? Wagen wir einen Blick hinter die Kulissen.

Bei kaum einem Thema sind sich Umfragen zufolge Investoren so einig wie bei diesem – mit Kinderarbeit will keiner was zu tun haben. Das ist einfach ein no go. Um zu verstehen, warum es Kinderarbeit dennoch gibt und um zu erkennen, ob man selbst auch etwas tun kann, sie zu vermeiden, lohnt sich ein genauerer Blick auf dieses Problem.

Was ist Kinderarbeit überhaupt?

Die Kinderhilfsorganisation der UNO, die UNICEF, definiert Kinderarbeit so: Es handelt sich um alle Formen von Arbeit, für die Kinder zu jung sind, weil sie entweder gefährlich oder ausbeuterisch sind, weil sie die körperliche oder seelische Entwicklung schädigen oder die Kinder vom Schulbesuch abhalten. Zu den schlimmsten Formen der Kinderarbeit zählen die Vereinten Nationen Sklaverei und sklavenähnliche Abhängigkeiten, Zwangsarbeit einschließlich des Einsatzes von Kindersoldaten, Kinderprostitution und Kinderpornographie, kriminelle Tätigkeiten sowie den Missbrauch von Kindern als Drogenkuriere sowie andere Arbeitsformen, die die Sicherheit und Gesundheit der Kinder gefährden können.

Im Umkehrschluss bedeutet das aber auch, dass nicht jede Form von Kinderarbeit per se als verwerflich definiert ist. So kann beispielsweise Mithilfe bei der Ernte oder im Betrieb, wie es auch in Österreich vorkommt, oder Nebenjobs, die der Familie das Überleben sichern, durchaus akzeptiert werden, wenn allerdings dadurch die Ausbildung der Kinder nicht beeinträchtigt wird und die Arbeitsbedingungen altersgerecht sind, mit einem Wort, wenn sich die Belastung kindgerecht in Grenzen hält.

Leider gibt es sowohl Staaten als auch Unternehmen, die diese ausbeuterische Kinderarbeit fördern oder zumindest nicht unterbinden – und in diese Staaten und Unternehmen sind viele Anleger unbewusst über Staatsanleihen, Unternehmensanleihen oder Aktien investiert. Direkt darauf angesprochen wollen eigentlich alle meine Gesprächspartner diese Positionen nicht in ihrem Depot oder ihrer Altersvorsorge haben.

Von wie vielen betroffenen Kindern sprechen wir überhaupt?

Weltweit ist seit dem Jahr 2000 die Zahl der Kinderarbeiter um ein Drittel, von 246 Millionen auf 168 Millionen, gesunken.  Das ist erfreulich, aber es sind immer noch um genau 168 Millionen Kinder zu viel betroffen. Besonders deutlich gesunken ist die Zahl der Kinderarbeiter in der Region Asien und Pazifik, aber auch im südlichen Afrika und Lateinamerika nimmt die Kinderarbeit ab. In absoluten Zahlen allerdings leben mit 78 Millionen dennoch die meisten Kinderarbeiter in der Region Asien und Pazifik. Außerdem erleben wir leider eine gewisse Trendumkehr in den von Flüchtlingsbewegungen erfassten Gebieten wie aktuell vor allem in und um Syrien. In dieser Region steigt die Zahl der ausgebeuteten Kinder wieder stark an.

Die unangenehme Wahrheit in der Finanzindustrie

Auch wenn es keiner gerne hört und noch weniger Menschen es aussprechen – der klassischen Finanzindustrie und ihren Produkten ist dieses Thema vollkommen egal. Nicht etwa, weil da lauter böse Menschen arbeiten würden, sondern weil es mühsam und komplex ist, sich mit diesem Thema differenziert auseinander zu setzen und weil es zusätzlich noch Ressourcen bindet. Kinderarbeit ist in den Ländern mit niedrigen Einkommen einfach Realität, Punkt und aus. So einfach kann man es sich machen.

Sie können Sie daher leider sicher sein, in vielen ihrer klassischen Investments – sei es direkt über Fonds oder indirekt über die Mittelverwendung ihres Banksparbuchs oder ihrer Lebensversicherung – steckt ausbeuterische Kinderarbeit. Sei es, dass die Kinder in Goldminen in Burkina Faso, als Textilarbeiter in Bangladesch, auf Kakaoplantagen in der Elfenbeinküste oder auf Farmen in Lateinamerika arbeiten. Sie kosten wenig, und angeblich macht man deswegen halt auch mehr Profit.

Was aber, wenn Sie das nicht wollen?

Sollten sie um ihre Performance fürchten, kann ich sie gleich am Anfang beruhigen: es gibt kaum Hinweise darauf, dass eine moderate nachhaltige und damit kinderarbeitsfreie Ausrichtung ihrer Geldanlagen die Erträge schmälert, eher das Gegenteil scheint der Fall zu sein. Vom ethischen Standpunkt her sind wir uns in der Ablehnung von Kinderarbeit – siehe oben – aller Wahrscheinlichkeit nach ohnehin einig.

Somit ist es eigentlich einfach – ziehen Sie ihr Geld dort ab, wo es wahrscheinlich (auch) in Kinderarbeit investiert wird und stecken Sie es in Anlagen, bei denen das nicht der Fall ist. Fragen Sie ihre Anlageberater, Fondsmanager, ihre Pensionskassen und Sparbuchverwalter, ob diese wissen, welches Produkt auch mit Kinderarbeit Gewinne macht und welches nicht. Oder ob diese es mangels Problembewusstsein überhaupt wissen wollen.

Wie finde ich nun konkret passende Produkte?

Anleger, egal ob über Fonds oder Versicherungslösungen, können Anlagevarianten wählen, die über bestimmte Ausschlusskriterien sicherstellen, dass keine der im Portfolio gehaltenen Positionen – also Staaten oder Unternehmen – ausbeuterische Kinderarbeit in oben beschriebenen Sinn zulassen. In einem Nachhaltigkeitsbericht bedeutet das ein simples „Ja“ beim Punkt „Ausschluss ausbeuterischer Kinderarbeit“. Das ist zwar nur ein Punkt unter vielen, aber es ist ein Punkt, der tatsächlich dafürsteht, dass sich etwas ändert.

Zusätzlich zum Ausschluss von Staaten und Unternehmen gibt es auch Investmentfonds, die darüber hinaus besonders in Unternehmen und Staaten investieren, die einen positiven Beitrag zu Vermeidung von Missständen leisten, also beispielsweise Mindestlöhne vorschreiben oder bezahlen, die ausreichend hoch sind, so dass die Kinder in die Schule statt in die Arbeit gehen können, da ihre Eltern ohne deren Beitrag genug Einkommen haben. Auch hier lohnt sich ein genauer Blick auf die Kriterien, nach denen ihr Geld angelegt wird. Ich fürchte nur, in den meisten Produkten finden sich einfach keine. Wenn ihnen das Thema dennoch am Herzen liegt, sollten sie beginnen, etwas zu verändern. Wir müssen noch 168 Millionen Kindern helfen – kaum irgendwo geht das so leicht wie bei ihren Geldanlagen. Reden Sie mit den Menschen, die auf ihr Geld schauen, über dieses Thema.

Armut macht krank. Mikrofinanz als Lösung?

Ich erspare den geneigten Lesern hier eine längere Abhandlung über den Stand der wissenschaftlichen Diskussion zum Thema „Armut macht krank“. Dazu gibt es reichlich Literatur und an der Gültigkeit dieser Behauptung zweifelt auch kaum jemand. Über die genauen Ursachen und vor allem die Möglichkeiten, das zu ändern herrscht allerdings leider nicht so große Einigkeit. Zur Untermauerung nur ein Fakt: Die Bezieher der höchsten Pensionen in Deutschland genießen diese ab einem Alter von 65 Jahren im Schnitt 20 Jahre lang. Die Bezieher der niedrigsten Pensionen hingegen nur 15 Jahre lang. Sie leben also um 5 Jahre kürzer als ihre vermögenderen Mitbürger. Wenn sich Armut schon in Deutschland derartig auswirkt, wird dieser Befund umso mehr für die ärmeren Länder dieser Erde gelten.

Nur was tun, um das zu ändern? Ich gebe zu, ich bin ein großer Anhänger der Hilfe zur Selbsthilfe, oder wie es Konfuzius vor etwa 2.500 Jahren formuliert hat: „Gib einem Mann einen Fisch und du ernährst ihn für einen Tag. Lehre einen Mann zu fischen und du ernährst ihn für sein Leben.“ Aber kann man das auf Geldanlagen umlegen?

Ja, man kann. Eine Antwort heißt, wie Sie sich vielleicht schon nach der Überschrift gedacht haben, Unterstützung durch Mikrokredite. Den Begriff kennt man, seit Mohammad Yunus und die von ihm gegründete Grameen Bank im Jahr 2006 den Friedensnobelpreis erhalten haben. Was Mikrofinanz wirklich ist erkläre ich an dieser Stelle etwas simplifizierend: In Ländern, in denen kein ausdifferenziertes Finanzsystem existiert, so wie wir es in der EU, oder auch aus Ländern wie den USA oder Japan kennen, ist der Zugang zu Krediten nur stark eingeschränkt möglich. Etwa drei Milliarden Menschen haben überhaupt keinen Zugang zu Finanzdienstleistungen, nicht einmal zu einem Bankkonto. Oft geht es lediglich um 1.000 oder 2.000 US-Dollar, die man beispielsweise für eine neue Maschine oder ein paar Kühe braucht, für die man allerdings keinerlei Sicherheit stellen kann. Versuchen Sie das mal bei uns, sie werden als Kleinunternehmer wohl ebenso scheitern wie ein Bauer in Bangladesch.

Hier springen sogenannte Mikrofinanzinstitute (MFI) in die Bresche. Sie vergeben Klein- und Kleinstkredite, ohne Besicherung und meist mehrheitlich an Frauen. Der Aufwand pro Kreditnehmer ist dementsprechend groß. Trotz hoher Zinsen von bis zu 25% werden diese Kredite tatsächlich in ein bis zwei Jahren getilgt – die Ausfallsquoten sind niedriger als bei Firmenkrediten in Österreich. Weltweit existieren über 10.000 solcher Mini-Banken, daneben gibt es noch mehrere Millionen Selbsthilfe- oder Dorfhilfegruppen, die eine wichtige Rolle in dem Kreditvergabeprozeß spielen.

Genau an dieser Stelle kommen Sie als potentieller Geldgeber ins Spiel: Sie können Mikrokreditinstituten ihrerseits einen Kredit gewähren, entweder über Entwicklungshilfevereine oder über Investmentfonds. Die Institute reichen das Geld dann weiter und helfen auf diese Art den Kreditnehmern, sich eine eigene Existenz aufzubauen. Bei Ihnen als Finanzier kommen im Schnitt vielleicht 2 – 3% Ertrag an, mehr wäre unseriös. Der Einstieg ist problemlos schon mit kleinen Beträgen von zum Beispiel 2.500€ möglich. Dieser Betrag entspricht dann bereits einem oder zwei Darlehen an einen einzelnen Kreditnehmer oder eine Kreditnehmerin.

Ein Trugschluss aus der ganzen Sache ist leider, dass jedes MFI gut gegen Armut hilft. In dem Segment finden sich allerdings ebenso schon fast rein caritative Organisationen, wie auch stark gewinngetriebene „Mikrokredithaie“. Die Unterschiede in der Qualität sind oft von Land zu Land enorm. Deshalb muss man bei der Auswahl des Investments auf das Fachwissen von Firmen oder Organisationen zurückgreifen, die die soziale Komponente der MFI beurteilen können. Die guten Investmentfonds haben dieses Know-how, aber auch ebenso zum Beispiel die niederländische Oikocredit-Genossenschaft.

Ergänzt werden Mikrokredite bei verantwortungsvollen Instituten um die Bereiche Microsavings und Microinsurance. Solche Erweiterungen bieten für die Kreditnehmer die Möglichkeit, sich zusätzlich einen Notgroschen anzusparen und bestimmte elementare Risiken zu versichern. Die besten MFIs liefern noch unternehmerisches Know how mit dazu.

Fast am Ende meiner Ausführungen angekommen, möchte ich noch ein paar Zahlen von Vision Microfinance, einem österreichischen Fondsanbieter für institutionelle Investoren, anführen. Die Fonds der Gesellschaft haben ein Volumen von etwa 250 Millionen Euro. Daraus vergeben sie Kredite an etwa 285.000 Menschen und gemeinsam mit deren Familien erreichen sie dadurch 1,4 Millionen Menschen in etwa 35 Schwellenländern, vornehmlich in Südamerika und Asien. Die Kreditnehmer sind zu über 50% weiblich und leben ebenfalls leicht mehrheitlich am Land, nicht in den Städten. Im Durchschnitt borgt sich ein Mikrounternehmer etwa 2.000 US-Dollar aus. Über das Portfolio haften pro Kreditnehmer aktuell knapp 900 Euro aus. Sie sehen also, wenn Sie einen Teil – und mehr sollten Sie auch tatsächlich nicht investieren – ihres Finanzvermögens hier veranlagen, vergeben Sie indirekt schnell ein paar Darlehen. Verdient hätten Sie auch ein wenig daran, Oikocredit zahlt 2% pro Jahr. Nur zum Vergleich: ein guter Dachfonds hat über die letzten fünf Jahre 3,16% nach Kosten erwirtschaftet.

Zum Abschluss darf ich ihnen einen Link auf ein schönes Video mit auf den Weg geben. Hier erklärt ein Fondsanbieter ganz generell und sehr anschaulich die Wirkungsweise von Mikrokrediten. Aber Achtung: Die Fonds dieses Anbieters sind nicht mehr für Privatkunden erhältlich. Wenn Sie das Thema dennoch interessiert, wenden Sie sich an ihren Finanzberater – sofern sich dieser mit dem Thema Nachhaltigkeit beschäftigt wird er Ihnen weiterhelfen können.

Lego – Bioplastik statt Erdöl

Ich habe es als Kind geliebt, mit Lego zu spielen. Was es da alles zu erleben gab: Meine Städte wurden von regelmäßigen Katastrophen heimgesucht, nur damit die Feuerwehr viel zu tun hatte, ich konstruierte Raumschiffe, mit denen ich die Weiten des Alls erkundete, gemeinsam mit meinem Bruder, der die Ritterburg bekam, veranstalteten wir spannende Turniere und noch vieles mehr. Heute habe ich einen kleinen Sohn, der bereits ebenso gerne mit seinen Duplo-Bausteinen spielt und wir bauen auf ein Neues Häuser, Schiffe und Türme.

Gerade weil ich mit Lego so viele postive Erinnerungen verbinde, hat mich die Greenpeace-Kampagne gegen die Kooperation von Lego mit der Ölfirma Shell sehr bewegt. Lego, dass seit den 1960er Jahren mit Shell lose kooperierte, hat sich durch Shells Ölbohraktivitäten in der Arktis den Zorn von Greenpeace zugezogen. In einer intensiven Kampagne seit Juli 2014 wurde Lego unter Druck gesetzt. 2015 hat der Spielwarenhersteller dann das Ende seiner Zusammenarbeit mit Shell erklärt. Ironisches Detail dazu: Shell hat seine Ölbohrungen in der Arktis kurz darauf im wahresten Sinn des Wortes auf Eis gelegt.

Lego will jetzt aber noch ein paar Schritte weiter in Richtung Nachhaltigkeit gehen, wenn sie schon dabei sind, sozusagen. Letztes Jahr wurden 60 Milliarden Bausteinchen gefertigt. Für das Plastik war der Einsatz von 77.000 Tonnen Öl nötig. Ebendieses Plastik soll in Zukunft nun aber nicht mehr aus Erdöl, sondern aus Mais oder ähnlichen Materialien erzeugt werden. Lego investierte daher 140 Millionen Euro in ein Entwicklungszentrum, in dem 100 Forscher daran arbeiten dürfen, Bioplastik für den Gebrauch als Spielzeug zu entwickeln. So soll der einzelne Baustein zwar langfristig biologisch abbaubar sein, kurzfristig jedoch muss er beispielsweise den Speichel eines ihn benagenden Kleinkindes aushalten können. Nur ein Beispiel von vielen Anforderungen, aber Legos Motto lautet schließlich „Inspire and develop the builders of tomorrow“. Bis 2030 soll das Bioplastik dann im Einsatz sein.

Auch an anderen Fronten ist Lego gut unterwegs: Seit 2013 werden in Zusammenarbeit mit dem WWF Klimaschutzmaßnahmen erarbeitet, Verpackungsgrößen verkleinert, um Karton zu sparen, sowie auf FSC-zertifizierte Lieferanten umgestellt. Mit Hilfe von Investments in Windparks in der Nordsee durch Lego und der Eigentümerfamilie  ist geplant, dass der dänische Konzern seinen Energieverbrauch schon im Jahr 2020 zur Gänze aus eigenen, erneubaren Energieträgern decken kann. Lego hat dafür in Kooperation mit einem Pensionsfonds einen Windpark in der irischen See um stolze 850 Millionen Euro erworben.

Einen Wermutstropfen aus Anlegersicht gibt es allerdings und der ist, dass sich Lego seit der Gründung 1932 im mehrheitlichen Besitz der Familie Kristiansen befindet. Diese hält 75% der Aktien. Die verbleibenden 25% hält die Lego Foundation, das ist eine Lego-Unternehmensstiftung, die sich dem Lern- und Spielverhalten von Kindern widmet. Lego ist also eine Akiengesellschaft, aber sie notiert an keiner Börse. Deshalb kann man sich auch nicht an dem, nach einer schweren Krise um das Jahr 2000 herum, heutzutage hochprofitablen Unternehmen beteiligen. Für alle, die in solche Firmen investieren möchten: Es gibt als Alternative zu Lego gute Aktienfonds, in denen sich nur Unternehmen aus dem Nachhaltigkeitsbereich tummeln. Um Lego zu fördern hilft nur, seine Produkte zu kaufen. Viel Spaß damit!

Eine perlende Faschingsnachlese

Mit diesem Artikel möchte ich meine neue Kategorie „Leben“ vorstellen. Es dreht sich viel um Geld, was auch wichtig ist, aber ich möchte hier zusätzlich – in loser Abfolge – Themen rund um nachhaltigen Konsum, neue Ideen oder einfach Savoir vivre präsentieren.

Im heurigen Fasching habe ich eine neue kleine Freude für mich gefunden. Bei meiner Entdeckung handelt es sich um ein noch eher im verborgenen blühendes Pflänzchen, das ich hiermit vor den Vorhang holen möchte. Ich rede von Sekt – und nicht von irgend einem.

Die burgenländische Weinkellerei Szigeti produziert seit 1991 nach der Méthode Traditionelle, also der klassischen Flaschengärung mit Dosage, aus Trauben der Region Neusiedlersee wahrhaft erstklassige Schaumweine. Als Folge der völlig kontraproduktiven österreichischen Sektsteuer sank die Produktion der Kellerei von 1 Million Flaschen 2014 auf nur 850.000 Flaschen im Folgejahr. Das exportorientiere Familienunternehmen wird aber, wie ich hoffe, trotz dieser Steuer nicht von ihrem langfristigen Erfolgspfad abweichen.

Nun aber zum eigentlichen Anlaß dieses Artikels: Ich hatte auch in diesem Fasching wieder ein paar Gelegenheiten, mich durch verschiedene Sekt-, Champagner- und Proseccosorten zu kosten. Das klingt jetzt wilder, als es war, aber es brachte mir trotzdem und vor allem folgende Erkenntnis: Der Szigeti Bio-Brut ist ein wunderbar voller, aromatischer Sekt der Spitzenklasse. Sehr fein moussierend, langer Abgang – einfach ein Genuß! Und er ist, ganz nebenbei bemerkt, noch dazu ein echter Geheimtipp, da dieser edle Tropfen in der Wahrnehmung der einheimischen Konsumenten neben den bekannteren österreichischen und ausländischen Marken ein Mauerblümchendasein fristet. Völlig zu Unrecht.

Aber genau das will ich ändern, also: erhältlich ist dieser Sekt online unter http://www.szigeti.at oder beispielsweise auch in den Denn’s Biomärkten. Vielleicht versuchen Sie ja bei nächster Gelegenheit einmal ein Glas, spätestens nach der Fastenzeit.

Ein paar aktuelle Zahlen zur Windkraft

2015 war kein schlechtes Jahr für Windenergie, dem niedrigen Ölpreis zum Trotz.

Ein paar Beispiele gefällig:

Texas, recht konstant 2 GW Leistung, Spitze bei 13,9 GW. Dänemark, im Jahresschnitt 42% des landesweiten Strombedarfs, Spitzenerzeugung eines offenbar windigen Tages im Juli: 140%. Schottland produzierte 25 Terawattstunden. Deutschland hat mehr Windenergie als jemals zuvor installiert, das Ziel ist 2016 (spätestens 2020) 7 GW an installierter Leistung. China dafür hat letztes Jahr alleine 30,5 GW Leistung nur aus Windkraft installiert und damit alle Erwartungen übertroffen. (Dank an die WiWo green für die Zahlen.)

Beeindruckend große Zahlen, in Relation zum österreichischen Gesamtenergieverbrauch von über 1.400 Petajoule im Jahr 2014 aber dann auch wieder nicht so groß. Um zuerst aus Kohle und dann auch Öl und Kernenergie aussteigen zu können wir Windenergie einen weiteren, unverzichtbaren Beitrag leisten müssen. Die Ausbaupläne laufen auch trotz der niedrigen Energiepreise weiter – zumindest weltweit. Österreich nimmt hier leider eine unrühmliche Sonderstellung ein. Bleiben Sie Investments in Windenergie und anderen alternativen Formen also gewogen. Sie sollten sich überdurchschnittlich bezahlt machen, meine ich. Nur schauen Sie bitte genau hin, ob das Risiko und die Ertragserwartungen auch in einen vernünftigen Verhältins zu einander stehen.

 

Wie wichtig ist Erdöl noch?

Der rasante Verfall des Ölpreises seit dem letzten Sommer hat sich diese Woch sogar noch einmal beschleunigt. Im Jahr 2013 lag der Preis für ein Faß Rohöl nie unter 100 US-Dollar, letzten Juni zwischen 60 und 65 US-Dollar, aktuell sind es gerade noch etwas über 30 US-Dollar. 2008 war der Spitzenwert fast fünf Mal so hoch. Beeindruckende Zahlen.

Ökonomen rufen daher seit gut einem Jahr eine wunderbare Konjunkturspritze aus, die der niedrige Ölpreis für die entwickelten Wirtschaften dieser Erde bedeute. Meist wird dann die Situation Mitte der 80er Jahre zitiert, in der ein Verfall des Ölpreises wirklich einen Konjunkturschub auslöste. Heute haben wir zusätzlich zum billigen Öl noch billiges Geld, also niedrige bis nicht vorhandene Zinsen, aber der Konjunkturschub bleibt mehr oder minder aus. Woran liegt das?

Matthias Auer von der österreichischen Tageszeitung „Die Presse“ hat ausgerechnet, dass der Erdölverbrauch (inflations- und kaufkraftbereinigt) seit dem Jahr 1990 massiv gesunken ist, wenn man den Verbrauch in Relation zum damit erzeugten Bruttoinlandsprodukt (BIP) stellt. Deutschland verbraucht fast nur mehr die Hälfte, auch in den USA beträgt der Rückganz etwa 40%. Zwar steigt der Ölverbrauch der Welt in absoluten Zahlen (noch) an – die Produktion hat diesen Anstieg übrigens locker mitgemacht – aber tendenziell brauchen für weniger Öl für eben das, was wir so mit Öl machen.

Anscheinend haben sich die Länder und ihre Industrien langsam aber sicher von der hohen Abhängigkeit von Erdöl empanzipiert und dies vor allem in einem stärkeren Ausmaß, als es die meisten Ökonomen erwartet haben.  Gründe hierfür sind einerseits die gesunken Kosten von alternativen Energien (auch wenn der niedrige Ölpreis deren weiteren Ausbau hemmt), Effizienzsteigerungen wie oben beschrieben und die Planungsunsicherheiten, die mit dem stark schwankenden Ölpreis einhergehen. Kein Staat und kein Unternehmen will von einem so erratisch schwankenden Gut abhängig sein, das noch dazu sehr stark geopolitischen Einflüssen unterworfen ist. Dieser Prozeß der Abnabelung scheint erfreulicherweise schon weiter zu sein als erwartet.

Mein Fazit ist, dass es mittlerweile nicht nur ökologisch sinnvoll ist, alles Geld aus dem Erdölbereich abzuziehen, sondern vielmehr ökonomisch geboten ist, sich aus diesem Segment zu verabschieden. Seien Sie versichert, es gibt genügend gute Anlageformen, die ohne Erdöl auskommen, man muss sie nur suchen. Worauf warten Sie noch?

Steuern auf Umweltbelastung – steuern wir das?

Statistiken sind in der Regel nicht so der journalistische Reißer, diese hier will ich meinen Lesern aber nicht vorenthalten. Sie gibt nämlich einen guten Ausblick, wie unser Verhalten in Zukunft gelenkt werden sollte, um die Umweltauswirkungen unserer Gesellschaft zu senken. Und wir „funktionieren“ ganz gut – auch – über Steuern. Der Wortkern legt ja schon nahe, dass es dabei nicht nur alleine um Geldaufbringung geht.

Eurostat, die europäische Statistikbehörde, hat jetzt vorgelegt, wie hoch der Anteil an Umweltsteuern im Jahr 2013 in den Mitgliedsländern der EU war. Umweltsteuern sind Steuern, die unser Verhalten und unseren Verbrauch in Richtung umweltschonenden Verhaltens lenken sollen, also beispielsweise Steuern auf fossile Energie, Verkehrsabgaben oder Steuern auf Umweltverschmutzung. 2013 nahmen die EU-Mitgliedsstaaten immerhin 330 Mrd. Euro aus diesem Titel ein. Hier gibt es eine Zielvorgabe, dass 2020 jeder Staat 10% seiner Steuereinnahmen aus diesem Titel decken sollte.

Es gibt auch schon zwei Staaten, die dieses Ziel heute schon erfüllen. Wer dabei an die vermeintlichen Umweltmusterländer Deutschland, Schweden oder (zumindest in der Selbstwahrnehmung) Österreich denkt, liegt allerdings ordentlich daneben. Diese drei Länder liegen sogar unter dem EU-Schnitt von gut 6%, Deutschland erreicht beispielsweise 5,4%. Aber damit liegt dieses Trio immerhin noch vor dem Schlußlichtern Belgien und Frankreich mit gerade einmal über 4%. Belgien wird allerdings mit 2018 sein Steuersystem umbauen und den Faktor Arbeit weniger, dafür u.a. Umweltbelastung stärker besteuern. Und gerade die Entlastung des Faktors Arbeit gehört zu den wichtigsten Punkten, wenn die EU-Staaten im internationalen Wettbewerb bestehen und ihre hohen Arbeitslosenzahlen senken wollen.

Doch nun zu den beiden „Siegern“ der Auswertung: Platz 1 geht geographisch nur knapp an Österreich vorbei, hier liegt mit 10,5% Slowenien vorne. Noch überraschender sind die 10,1%, die Bulgarien aus Umweltsteuern einnimmt. Auf den Plätzen folgen dann Kroatien, die Niederlande und Dänemark. Hier steht also für einige hoch entwickelte Staaten noch eine Menge an Arbeit bevor, während gerade einige vergleichsweise junge EU-Mitgliedsstaaten hier schon viel weiter sind. Die Möglichkeiten sind da, wir müssen nur bald anfangen, diese auch zu nutzen.

Wasser ist Leben. Aber auch ein Investment?

Wasser ist Leben.

Ich will Sie hier jetzt nicht mit wahrscheinlich ohnehin bekannten Fakten langweilen, zum Beispiel wie viel Prozent eines Menschen aus Wasser bestehen oder welch verschwindender Teil des Wassers auf unserer nicht umsonst „blauer Planet“ genannten Heimat überhaupt trinkbar ist. Wer schon mal richtig durstig war, weiß um die Wichtigkeit von Wasser.

Ich will Sie Ihnen jetzt auch kein schlechtes Gewissen machen, dass circa 750 Millionen Menschen keinen Zugang zu sauberem Trinkwasser haben und dadurch etwa 1,5 Millionen Menschen pro Jahr sterben. So tragisch diese Zahlen auch sind, so beachtlich waren und sind die Fortschritte in der globalen Trinkwasserversorgung in den letzten Jahrzehnten.

Aber ich will Sie informieren, was es mit Investments in Wasser auf sich hat und wie Sie gute Projekte von denen, die lediglich ein grünes Mäntelchen umhaben, unterscheiden können.

Und ich will, dass Sie dann auch etwas tun.

Aber ist Wasser auch ein Investment?

Fragen Sie einmal einen Verdurstenden, ob er bereit wäre, für ein Glas Wasser zu zahlen. Er wird zahlen. Aber bis er Zugang zu sauberem Trinkwasser erhält sind eine Menge Schritte nötig: Das Fassen der Quelle, der Bau der Leitungen, die Wasseraufbereitung, der schonenden Umgang mit dieser Ressource durch beispielsweise innovative Bewässerung. Die Liste ist lang. Und egal, ob man persönlich private oder öffentliche Wasserversorgung präferiert, viele Arbeiter und Firmen sind nötig, um jede dieser Varianten zu ermöglichen. Nach Schätzungen der OECD werden in den nächsten 20 Jahren 600 Mrd. US-Dollar jährlich nötig sein, um die Wasserversorgung der Menschheit zu garantieren. Das wird, gerade in Entwicklungsländern, die öffentliche Hand nicht immer leisten können. Deshalb sind gerade dort, wo sauberes Wasser knapp ist, Menschen bereit, dafür zu bezahlen.

Was aber sollte nicht in Wasserinvestments enthalten sein?

Auch wenn ich gerade eine Lanze für sinnvolle Investitionen in Wasser gebrochen habe, so gibt es auch die andere Seite. Diese umfasst etwa Lebensmittelkonzerne, die Quellen aufkaufen und das vorher billige Wasser plötzlich teuer an die Bevölkerung verkaufen oder Firmen, die Wasser in großen Stil verschmutzen. Es gibt hier also eine klare rote Line, die ich persönlich nicht überschreite.

Wie kann man ethisch korrekt in Wasser investieren?

Stellt man Firmen Geld zur Verfügung, damit sie die Wasserversorgung verbessern, legt man sein Geld sinnvoll an, und hat auch die Möglichkeit, am Ertrag der Firma zu partizipieren. Knapp 2/3 der weltweit im Segment Wasser operierenden Firmen sind Versorgungsunternehmen. Daneben gibt es Rohrleitungshersteller, Wasseraufbereiter, Baufirmen, Verbrauchssenker, Filtertechnikerfinder und viele andere mehr. Es finden sich also eine Menge Firmen, die es heute und in Zukunft ermöglichen, dass der Anteil jener Menschen, die kein Trinkwasser zur Verfügung haben, sinkt.

Man kann Aktien solcher Firmen erwerben oder ihnen Geld borgen, also Anleihen zeichnen. Idealerweise lässt man sein Investment managen und legt sein Geld daher in einem Investmentfonds an, der auf der guten Seite der Wasserinvestments platziert ist. Je nach Ausrichtung eines Wasserfonds werden die oben erwähnten Branchen entweder nach Börsenkapitalisierung gewichtet sein oder der Fondsanbieter hat hier eine eigene Meinung und verschiebt zum Beispiel den Fokus von Wasserversorgung hin zu Wassertechnologien wie Aufbereitung oder Einsparung.

Was können Sie nun tun?

Wenn Sie an dieses Thema glauben, mischen Sie „Wasser“ zu einem kleineren Teil Ihren Geldanlagen bei. Hüten Sie sich vor Fonds, über die Sie in Danone oder Coca-Cola investiert sind, die ohnehin nur Bruchteile ihrer Umsätze mit Trinkwasser machen und diesen Teil unethisch. Aber, glauben Sie mir, es gibt durchaus genügend Fonds, die das Thema ernsthaft, professionell und nachhaltig angehen.

Sollten Sie gerade nichts zu investieren haben, können Sie dennoch etwas tun: Unterstützen Sie die wunderbare Aktion „Wasser ist Leben“ von FiNUM.Private Finance, die mich zum heutigen Beitrag inspiriert hat. Helfen Sie, ein Dorf in Togo bis Jahresende mit einem Brunnen für sauberes Trinkwasser zu versorgen. Der großartige Verein agbe (www.agbe.org) braucht hier Ihre Hilfe. Machen Sie mit oder spenden Sie einfach, es geht nur um 10 Cent für ein Glas Trinkwasser. Weitere Informationen gibt es hier: wasseristleben.finum.at – machen Sie mit!

Danke.