Armut macht krank. Mikrofinanz als Lösung?

Ich erspare den geneigten Lesern hier eine längere Abhandlung über den Stand der wissenschaftlichen Diskussion zum Thema „Armut macht krank“. Dazu gibt es reichlich Literatur und an der Gültigkeit dieser Behauptung zweifelt auch kaum jemand. Über die genauen Ursachen und vor allem die Möglichkeiten, das zu ändern herrscht allerdings leider nicht so große Einigkeit. Zur Untermauerung nur ein Fakt: Die Bezieher der höchsten Pensionen in Deutschland genießen diese ab einem Alter von 65 Jahren im Schnitt 20 Jahre lang. Die Bezieher der niedrigsten Pensionen hingegen nur 15 Jahre lang. Sie leben also um 5 Jahre kürzer als ihre vermögenderen Mitbürger. Wenn sich Armut schon in Deutschland derartig auswirkt, wird dieser Befund umso mehr für die ärmeren Länder dieser Erde gelten.

Nur was tun, um das zu ändern? Ich gebe zu, ich bin ein großer Anhänger der Hilfe zur Selbsthilfe, oder wie es Konfuzius vor etwa 2.500 Jahren formuliert hat: „Gib einem Mann einen Fisch und du ernährst ihn für einen Tag. Lehre einen Mann zu fischen und du ernährst ihn für sein Leben.“ Aber kann man das auf Geldanlagen umlegen?

Ja, man kann. Eine Antwort heißt, wie Sie sich vielleicht schon nach der Überschrift gedacht haben, Unterstützung durch Mikrokredite. Den Begriff kennt man, seit Mohammad Yunus und die von ihm gegründete Grameen Bank im Jahr 2006 den Friedensnobelpreis erhalten haben. Was Mikrofinanz wirklich ist erkläre ich an dieser Stelle etwas simplifizierend: In Ländern, in denen kein ausdifferenziertes Finanzsystem existiert, so wie wir es in der EU, oder auch aus Ländern wie den USA oder Japan kennen, ist der Zugang zu Krediten nur stark eingeschränkt möglich. Etwa drei Milliarden Menschen haben überhaupt keinen Zugang zu Finanzdienstleistungen, nicht einmal zu einem Bankkonto. Oft geht es lediglich um 1.000 oder 2.000 US-Dollar, die man beispielsweise für eine neue Maschine oder ein paar Kühe braucht, für die man allerdings keinerlei Sicherheit stellen kann. Versuchen Sie das mal bei uns, sie werden als Kleinunternehmer wohl ebenso scheitern wie ein Bauer in Bangladesch.

Hier springen sogenannte Mikrofinanzinstitute (MFI) in die Bresche. Sie vergeben Klein- und Kleinstkredite, ohne Besicherung und meist mehrheitlich an Frauen. Der Aufwand pro Kreditnehmer ist dementsprechend groß. Trotz hoher Zinsen von bis zu 25% werden diese Kredite tatsächlich in ein bis zwei Jahren getilgt – die Ausfallsquoten sind niedriger als bei Firmenkrediten in Österreich. Weltweit existieren über 10.000 solcher Mini-Banken, daneben gibt es noch mehrere Millionen Selbsthilfe- oder Dorfhilfegruppen, die eine wichtige Rolle in dem Kreditvergabeprozeß spielen.

Genau an dieser Stelle kommen Sie als potentieller Geldgeber ins Spiel: Sie können Mikrokreditinstituten ihrerseits einen Kredit gewähren, entweder über Entwicklungshilfevereine oder über Investmentfonds. Die Institute reichen das Geld dann weiter und helfen auf diese Art den Kreditnehmern, sich eine eigene Existenz aufzubauen. Bei Ihnen als Finanzier kommen im Schnitt vielleicht 2 – 3% Ertrag an, mehr wäre unseriös. Der Einstieg ist problemlos schon mit kleinen Beträgen von zum Beispiel 2.500€ möglich. Dieser Betrag entspricht dann bereits einem oder zwei Darlehen an einen einzelnen Kreditnehmer oder eine Kreditnehmerin.

Ein Trugschluss aus der ganzen Sache ist leider, dass jedes MFI gut gegen Armut hilft. In dem Segment finden sich allerdings ebenso schon fast rein caritative Organisationen, wie auch stark gewinngetriebene „Mikrokredithaie“. Die Unterschiede in der Qualität sind oft von Land zu Land enorm. Deshalb muss man bei der Auswahl des Investments auf das Fachwissen von Firmen oder Organisationen zurückgreifen, die die soziale Komponente der MFI beurteilen können. Die guten Investmentfonds haben dieses Know-how, aber auch ebenso zum Beispiel die niederländische Oikocredit-Genossenschaft.

Ergänzt werden Mikrokredite bei verantwortungsvollen Instituten um die Bereiche Microsavings und Microinsurance. Solche Erweiterungen bieten für die Kreditnehmer die Möglichkeit, sich zusätzlich einen Notgroschen anzusparen und bestimmte elementare Risiken zu versichern. Die besten MFIs liefern noch unternehmerisches Know how mit dazu.

Fast am Ende meiner Ausführungen angekommen, möchte ich noch ein paar Zahlen von Vision Microfinance, einem österreichischen Fondsanbieter für institutionelle Investoren, anführen. Die Fonds der Gesellschaft haben ein Volumen von etwa 250 Millionen Euro. Daraus vergeben sie Kredite an etwa 285.000 Menschen und gemeinsam mit deren Familien erreichen sie dadurch 1,4 Millionen Menschen in etwa 35 Schwellenländern, vornehmlich in Südamerika und Asien. Die Kreditnehmer sind zu über 50% weiblich und leben ebenfalls leicht mehrheitlich am Land, nicht in den Städten. Im Durchschnitt borgt sich ein Mikrounternehmer etwa 2.000 US-Dollar aus. Über das Portfolio haften pro Kreditnehmer aktuell knapp 900 Euro aus. Sie sehen also, wenn Sie einen Teil – und mehr sollten Sie auch tatsächlich nicht investieren – ihres Finanzvermögens hier veranlagen, vergeben Sie indirekt schnell ein paar Darlehen. Verdient hätten Sie auch ein wenig daran, Oikocredit zahlt 2% pro Jahr. Nur zum Vergleich: ein guter Dachfonds hat über die letzten fünf Jahre 3,16% nach Kosten erwirtschaftet.

Zum Abschluss darf ich ihnen einen Link auf ein schönes Video mit auf den Weg geben. Hier erklärt ein Fondsanbieter ganz generell und sehr anschaulich die Wirkungsweise von Mikrokrediten. Aber Achtung: Die Fonds dieses Anbieters sind nicht mehr für Privatkunden erhältlich. Wenn Sie das Thema dennoch interessiert, wenden Sie sich an ihren Finanzberater – sofern sich dieser mit dem Thema Nachhaltigkeit beschäftigt wird er Ihnen weiterhelfen können.

Lego – Bioplastik statt Erdöl

Ich habe es als Kind geliebt, mit Lego zu spielen. Was es da alles zu erleben gab: Meine Städte wurden von regelmäßigen Katastrophen heimgesucht, nur damit die Feuerwehr viel zu tun hatte, ich konstruierte Raumschiffe, mit denen ich die Weiten des Alls erkundete, gemeinsam mit meinem Bruder, der die Ritterburg bekam, veranstalteten wir spannende Turniere und noch vieles mehr. Heute habe ich einen kleinen Sohn, der bereits ebenso gerne mit seinen Duplo-Bausteinen spielt und wir bauen auf ein Neues Häuser, Schiffe und Türme.

Gerade weil ich mit Lego so viele postive Erinnerungen verbinde, hat mich die Greenpeace-Kampagne gegen die Kooperation von Lego mit der Ölfirma Shell sehr bewegt. Lego, dass seit den 1960er Jahren mit Shell lose kooperierte, hat sich durch Shells Ölbohraktivitäten in der Arktis den Zorn von Greenpeace zugezogen. In einer intensiven Kampagne seit Juli 2014 wurde Lego unter Druck gesetzt. 2015 hat der Spielwarenhersteller dann das Ende seiner Zusammenarbeit mit Shell erklärt. Ironisches Detail dazu: Shell hat seine Ölbohrungen in der Arktis kurz darauf im wahresten Sinn des Wortes auf Eis gelegt.

Lego will jetzt aber noch ein paar Schritte weiter in Richtung Nachhaltigkeit gehen, wenn sie schon dabei sind, sozusagen. Letztes Jahr wurden 60 Milliarden Bausteinchen gefertigt. Für das Plastik war der Einsatz von 77.000 Tonnen Öl nötig. Ebendieses Plastik soll in Zukunft nun aber nicht mehr aus Erdöl, sondern aus Mais oder ähnlichen Materialien erzeugt werden. Lego investierte daher 140 Millionen Euro in ein Entwicklungszentrum, in dem 100 Forscher daran arbeiten dürfen, Bioplastik für den Gebrauch als Spielzeug zu entwickeln. So soll der einzelne Baustein zwar langfristig biologisch abbaubar sein, kurzfristig jedoch muss er beispielsweise den Speichel eines ihn benagenden Kleinkindes aushalten können. Nur ein Beispiel von vielen Anforderungen, aber Legos Motto lautet schließlich „Inspire and develop the builders of tomorrow“. Bis 2030 soll das Bioplastik dann im Einsatz sein.

Auch an anderen Fronten ist Lego gut unterwegs: Seit 2013 werden in Zusammenarbeit mit dem WWF Klimaschutzmaßnahmen erarbeitet, Verpackungsgrößen verkleinert, um Karton zu sparen, sowie auf FSC-zertifizierte Lieferanten umgestellt. Mit Hilfe von Investments in Windparks in der Nordsee durch Lego und der Eigentümerfamilie  ist geplant, dass der dänische Konzern seinen Energieverbrauch schon im Jahr 2020 zur Gänze aus eigenen, erneubaren Energieträgern decken kann. Lego hat dafür in Kooperation mit einem Pensionsfonds einen Windpark in der irischen See um stolze 850 Millionen Euro erworben.

Einen Wermutstropfen aus Anlegersicht gibt es allerdings und der ist, dass sich Lego seit der Gründung 1932 im mehrheitlichen Besitz der Familie Kristiansen befindet. Diese hält 75% der Aktien. Die verbleibenden 25% hält die Lego Foundation, das ist eine Lego-Unternehmensstiftung, die sich dem Lern- und Spielverhalten von Kindern widmet. Lego ist also eine Akiengesellschaft, aber sie notiert an keiner Börse. Deshalb kann man sich auch nicht an dem, nach einer schweren Krise um das Jahr 2000 herum, heutzutage hochprofitablen Unternehmen beteiligen. Für alle, die in solche Firmen investieren möchten: Es gibt als Alternative zu Lego gute Aktienfonds, in denen sich nur Unternehmen aus dem Nachhaltigkeitsbereich tummeln. Um Lego zu fördern hilft nur, seine Produkte zu kaufen. Viel Spaß damit!

Eine perlende Faschingsnachlese

Mit diesem Artikel möchte ich meine neue Kategorie „Leben“ vorstellen. Es dreht sich viel um Geld, was auch wichtig ist, aber ich möchte hier zusätzlich – in loser Abfolge – Themen rund um nachhaltigen Konsum, neue Ideen oder einfach Savoir vivre präsentieren.

Im heurigen Fasching habe ich eine neue kleine Freude für mich gefunden. Bei meiner Entdeckung handelt es sich um ein noch eher im verborgenen blühendes Pflänzchen, das ich hiermit vor den Vorhang holen möchte. Ich rede von Sekt – und nicht von irgend einem.

Die burgenländische Weinkellerei Szigeti produziert seit 1991 nach der Méthode Traditionelle, also der klassischen Flaschengärung mit Dosage, aus Trauben der Region Neusiedlersee wahrhaft erstklassige Schaumweine. Als Folge der völlig kontraproduktiven österreichischen Sektsteuer sank die Produktion der Kellerei von 1 Million Flaschen 2014 auf nur 850.000 Flaschen im Folgejahr. Das exportorientiere Familienunternehmen wird aber, wie ich hoffe, trotz dieser Steuer nicht von ihrem langfristigen Erfolgspfad abweichen.

Nun aber zum eigentlichen Anlaß dieses Artikels: Ich hatte auch in diesem Fasching wieder ein paar Gelegenheiten, mich durch verschiedene Sekt-, Champagner- und Proseccosorten zu kosten. Das klingt jetzt wilder, als es war, aber es brachte mir trotzdem und vor allem folgende Erkenntnis: Der Szigeti Bio-Brut ist ein wunderbar voller, aromatischer Sekt der Spitzenklasse. Sehr fein moussierend, langer Abgang – einfach ein Genuß! Und er ist, ganz nebenbei bemerkt, noch dazu ein echter Geheimtipp, da dieser edle Tropfen in der Wahrnehmung der einheimischen Konsumenten neben den bekannteren österreichischen und ausländischen Marken ein Mauerblümchendasein fristet. Völlig zu Unrecht.

Aber genau das will ich ändern, also: erhältlich ist dieser Sekt online unter http://www.szigeti.at oder beispielsweise auch in den Denn’s Biomärkten. Vielleicht versuchen Sie ja bei nächster Gelegenheit einmal ein Glas, spätestens nach der Fastenzeit.

Ein paar aktuelle Zahlen zur Windkraft

2015 war kein schlechtes Jahr für Windenergie, dem niedrigen Ölpreis zum Trotz.

Ein paar Beispiele gefällig:

Texas, recht konstant 2 GW Leistung, Spitze bei 13,9 GW. Dänemark, im Jahresschnitt 42% des landesweiten Strombedarfs, Spitzenerzeugung eines offenbar windigen Tages im Juli: 140%. Schottland produzierte 25 Terawattstunden. Deutschland hat mehr Windenergie als jemals zuvor installiert, das Ziel ist 2016 (spätestens 2020) 7 GW an installierter Leistung. China dafür hat letztes Jahr alleine 30,5 GW Leistung nur aus Windkraft installiert und damit alle Erwartungen übertroffen. (Dank an die WiWo green für die Zahlen.)

Beeindruckend große Zahlen, in Relation zum österreichischen Gesamtenergieverbrauch von über 1.400 Petajoule im Jahr 2014 aber dann auch wieder nicht so groß. Um zuerst aus Kohle und dann auch Öl und Kernenergie aussteigen zu können wir Windenergie einen weiteren, unverzichtbaren Beitrag leisten müssen. Die Ausbaupläne laufen auch trotz der niedrigen Energiepreise weiter – zumindest weltweit. Österreich nimmt hier leider eine unrühmliche Sonderstellung ein. Bleiben Sie Investments in Windenergie und anderen alternativen Formen also gewogen. Sie sollten sich überdurchschnittlich bezahlt machen, meine ich. Nur schauen Sie bitte genau hin, ob das Risiko und die Ertragserwartungen auch in einen vernünftigen Verhältins zu einander stehen.

 

Wie wichtig ist Erdöl noch?

Der rasante Verfall des Ölpreises seit dem letzten Sommer hat sich diese Woch sogar noch einmal beschleunigt. Im Jahr 2013 lag der Preis für ein Faß Rohöl nie unter 100 US-Dollar, letzten Juni zwischen 60 und 65 US-Dollar, aktuell sind es gerade noch etwas über 30 US-Dollar. 2008 war der Spitzenwert fast fünf Mal so hoch. Beeindruckende Zahlen.

Ökonomen rufen daher seit gut einem Jahr eine wunderbare Konjunkturspritze aus, die der niedrige Ölpreis für die entwickelten Wirtschaften dieser Erde bedeute. Meist wird dann die Situation Mitte der 80er Jahre zitiert, in der ein Verfall des Ölpreises wirklich einen Konjunkturschub auslöste. Heute haben wir zusätzlich zum billigen Öl noch billiges Geld, also niedrige bis nicht vorhandene Zinsen, aber der Konjunkturschub bleibt mehr oder minder aus. Woran liegt das?

Matthias Auer von der österreichischen Tageszeitung „Die Presse“ hat ausgerechnet, dass der Erdölverbrauch (inflations- und kaufkraftbereinigt) seit dem Jahr 1990 massiv gesunken ist, wenn man den Verbrauch in Relation zum damit erzeugten Bruttoinlandsprodukt (BIP) stellt. Deutschland verbraucht fast nur mehr die Hälfte, auch in den USA beträgt der Rückganz etwa 40%. Zwar steigt der Ölverbrauch der Welt in absoluten Zahlen (noch) an – die Produktion hat diesen Anstieg übrigens locker mitgemacht – aber tendenziell brauchen für weniger Öl für eben das, was wir so mit Öl machen.

Anscheinend haben sich die Länder und ihre Industrien langsam aber sicher von der hohen Abhängigkeit von Erdöl empanzipiert und dies vor allem in einem stärkeren Ausmaß, als es die meisten Ökonomen erwartet haben.  Gründe hierfür sind einerseits die gesunken Kosten von alternativen Energien (auch wenn der niedrige Ölpreis deren weiteren Ausbau hemmt), Effizienzsteigerungen wie oben beschrieben und die Planungsunsicherheiten, die mit dem stark schwankenden Ölpreis einhergehen. Kein Staat und kein Unternehmen will von einem so erratisch schwankenden Gut abhängig sein, das noch dazu sehr stark geopolitischen Einflüssen unterworfen ist. Dieser Prozeß der Abnabelung scheint erfreulicherweise schon weiter zu sein als erwartet.

Mein Fazit ist, dass es mittlerweile nicht nur ökologisch sinnvoll ist, alles Geld aus dem Erdölbereich abzuziehen, sondern vielmehr ökonomisch geboten ist, sich aus diesem Segment zu verabschieden. Seien Sie versichert, es gibt genügend gute Anlageformen, die ohne Erdöl auskommen, man muss sie nur suchen. Worauf warten Sie noch?

Steuern auf Umweltbelastung – steuern wir das?

Statistiken sind in der Regel nicht so der journalistische Reißer, diese hier will ich meinen Lesern aber nicht vorenthalten. Sie gibt nämlich einen guten Ausblick, wie unser Verhalten in Zukunft gelenkt werden sollte, um die Umweltauswirkungen unserer Gesellschaft zu senken. Und wir „funktionieren“ ganz gut – auch – über Steuern. Der Wortkern legt ja schon nahe, dass es dabei nicht nur alleine um Geldaufbringung geht.

Eurostat, die europäische Statistikbehörde, hat jetzt vorgelegt, wie hoch der Anteil an Umweltsteuern im Jahr 2013 in den Mitgliedsländern der EU war. Umweltsteuern sind Steuern, die unser Verhalten und unseren Verbrauch in Richtung umweltschonenden Verhaltens lenken sollen, also beispielsweise Steuern auf fossile Energie, Verkehrsabgaben oder Steuern auf Umweltverschmutzung. 2013 nahmen die EU-Mitgliedsstaaten immerhin 330 Mrd. Euro aus diesem Titel ein. Hier gibt es eine Zielvorgabe, dass 2020 jeder Staat 10% seiner Steuereinnahmen aus diesem Titel decken sollte.

Es gibt auch schon zwei Staaten, die dieses Ziel heute schon erfüllen. Wer dabei an die vermeintlichen Umweltmusterländer Deutschland, Schweden oder (zumindest in der Selbstwahrnehmung) Österreich denkt, liegt allerdings ordentlich daneben. Diese drei Länder liegen sogar unter dem EU-Schnitt von gut 6%, Deutschland erreicht beispielsweise 5,4%. Aber damit liegt dieses Trio immerhin noch vor dem Schlußlichtern Belgien und Frankreich mit gerade einmal über 4%. Belgien wird allerdings mit 2018 sein Steuersystem umbauen und den Faktor Arbeit weniger, dafür u.a. Umweltbelastung stärker besteuern. Und gerade die Entlastung des Faktors Arbeit gehört zu den wichtigsten Punkten, wenn die EU-Staaten im internationalen Wettbewerb bestehen und ihre hohen Arbeitslosenzahlen senken wollen.

Doch nun zu den beiden „Siegern“ der Auswertung: Platz 1 geht geographisch nur knapp an Österreich vorbei, hier liegt mit 10,5% Slowenien vorne. Noch überraschender sind die 10,1%, die Bulgarien aus Umweltsteuern einnimmt. Auf den Plätzen folgen dann Kroatien, die Niederlande und Dänemark. Hier steht also für einige hoch entwickelte Staaten noch eine Menge an Arbeit bevor, während gerade einige vergleichsweise junge EU-Mitgliedsstaaten hier schon viel weiter sind. Die Möglichkeiten sind da, wir müssen nur bald anfangen, diese auch zu nutzen.

Wasser ist Leben. Aber auch ein Investment?

Wasser ist Leben.

Ich will Sie hier jetzt nicht mit wahrscheinlich ohnehin bekannten Fakten langweilen, zum Beispiel wie viel Prozent eines Menschen aus Wasser bestehen oder welch verschwindender Teil des Wassers auf unserer nicht umsonst „blauer Planet“ genannten Heimat überhaupt trinkbar ist. Wer schon mal richtig durstig war, weiß um die Wichtigkeit von Wasser.

Ich will Sie Ihnen jetzt auch kein schlechtes Gewissen machen, dass circa 750 Millionen Menschen keinen Zugang zu sauberem Trinkwasser haben und dadurch etwa 1,5 Millionen Menschen pro Jahr sterben. So tragisch diese Zahlen auch sind, so beachtlich waren und sind die Fortschritte in der globalen Trinkwasserversorgung in den letzten Jahrzehnten.

Aber ich will Sie informieren, was es mit Investments in Wasser auf sich hat und wie Sie gute Projekte von denen, die lediglich ein grünes Mäntelchen umhaben, unterscheiden können.

Und ich will, dass Sie dann auch etwas tun.

Aber ist Wasser auch ein Investment?

Fragen Sie einmal einen Verdurstenden, ob er bereit wäre, für ein Glas Wasser zu zahlen. Er wird zahlen. Aber bis er Zugang zu sauberem Trinkwasser erhält sind eine Menge Schritte nötig: Das Fassen der Quelle, der Bau der Leitungen, die Wasseraufbereitung, der schonenden Umgang mit dieser Ressource durch beispielsweise innovative Bewässerung. Die Liste ist lang. Und egal, ob man persönlich private oder öffentliche Wasserversorgung präferiert, viele Arbeiter und Firmen sind nötig, um jede dieser Varianten zu ermöglichen. Nach Schätzungen der OECD werden in den nächsten 20 Jahren 600 Mrd. US-Dollar jährlich nötig sein, um die Wasserversorgung der Menschheit zu garantieren. Das wird, gerade in Entwicklungsländern, die öffentliche Hand nicht immer leisten können. Deshalb sind gerade dort, wo sauberes Wasser knapp ist, Menschen bereit, dafür zu bezahlen.

Was aber sollte nicht in Wasserinvestments enthalten sein?

Auch wenn ich gerade eine Lanze für sinnvolle Investitionen in Wasser gebrochen habe, so gibt es auch die andere Seite. Diese umfasst etwa Lebensmittelkonzerne, die Quellen aufkaufen und das vorher billige Wasser plötzlich teuer an die Bevölkerung verkaufen oder Firmen, die Wasser in großen Stil verschmutzen. Es gibt hier also eine klare rote Line, die ich persönlich nicht überschreite.

Wie kann man ethisch korrekt in Wasser investieren?

Stellt man Firmen Geld zur Verfügung, damit sie die Wasserversorgung verbessern, legt man sein Geld sinnvoll an, und hat auch die Möglichkeit, am Ertrag der Firma zu partizipieren. Knapp 2/3 der weltweit im Segment Wasser operierenden Firmen sind Versorgungsunternehmen. Daneben gibt es Rohrleitungshersteller, Wasseraufbereiter, Baufirmen, Verbrauchssenker, Filtertechnikerfinder und viele andere mehr. Es finden sich also eine Menge Firmen, die es heute und in Zukunft ermöglichen, dass der Anteil jener Menschen, die kein Trinkwasser zur Verfügung haben, sinkt.

Man kann Aktien solcher Firmen erwerben oder ihnen Geld borgen, also Anleihen zeichnen. Idealerweise lässt man sein Investment managen und legt sein Geld daher in einem Investmentfonds an, der auf der guten Seite der Wasserinvestments platziert ist. Je nach Ausrichtung eines Wasserfonds werden die oben erwähnten Branchen entweder nach Börsenkapitalisierung gewichtet sein oder der Fondsanbieter hat hier eine eigene Meinung und verschiebt zum Beispiel den Fokus von Wasserversorgung hin zu Wassertechnologien wie Aufbereitung oder Einsparung.

Was können Sie nun tun?

Wenn Sie an dieses Thema glauben, mischen Sie „Wasser“ zu einem kleineren Teil Ihren Geldanlagen bei. Hüten Sie sich vor Fonds, über die Sie in Danone oder Coca-Cola investiert sind, die ohnehin nur Bruchteile ihrer Umsätze mit Trinkwasser machen und diesen Teil unethisch. Aber, glauben Sie mir, es gibt durchaus genügend Fonds, die das Thema ernsthaft, professionell und nachhaltig angehen.

Sollten Sie gerade nichts zu investieren haben, können Sie dennoch etwas tun: Unterstützen Sie die wunderbare Aktion „Wasser ist Leben“ von FiNUM.Private Finance, die mich zum heutigen Beitrag inspiriert hat. Helfen Sie, ein Dorf in Togo bis Jahresende mit einem Brunnen für sauberes Trinkwasser zu versorgen. Der großartige Verein agbe (www.agbe.org) braucht hier Ihre Hilfe. Machen Sie mit oder spenden Sie einfach, es geht nur um 10 Cent für ein Glas Trinkwasser. Weitere Informationen gibt es hier: wasseristleben.finum.at – machen Sie mit!

Danke.

Was bedeuten niedrige Zinsen für nachhaltige Investments?

„Die Zinsen waren noch nie so niedrig wie heute“. Andrew Haldane, Chefökonom der Bank of England, hatte diese Behauptung vor einigen Jahren im englischen Parlament aufgestellt, konnte sie allerdings auf Nachfrage nicht belegen. Daraufhin fragte er sich offenbar, warum ist er dies als Chefökonom der ehrwürdigen Bank of England eigentlich nicht könne und machte sich – mit Hilfe seiner Mitarbeiter – an die Arbeit. Nach Auswertung der verfügbaren Quellen für den jeweils für seine Zeit wichtigsten Finanzmarkt der Welt, beginnend 3000 vor Christi, hat er es mittlerweile schwarz auf weiß: Der Zinssatz war tatsächlich und nun auch belegt noch nie so niedrig wie heute!

Kurz zusammengefasst beginnt die Zeitreihe bei einer Zinshöhe von etwa 20%, welche dann mit der Entwicklung des Finanzsystems ab circa 1700 n. Chr. auf um die 5% absank. Deutlich niedriger waren die Zinsen nach der Weltwirtschaftskrise der 1930er Jahre, deutlich höher nach dem zweiten Weltkrieg. Jetzt sind wir de facto bei 0% angelangt und es spricht vieles dafür, dass es noch einige Jahre dabei bleiben wird.

Was hat das nun mit nachhaltigen Geldanlagen zu tun? Ich finde drei Punkte besonders erwähnenswert:

  1. Sichere Staatsanleihen wie deutsche Bundesanleihen werfen keinen Ertrag mehr ab. Daher gilt: Risikolose Erträge gibt es keine mehr. Wenn Sie keine Schwankungen aushalten können oder wollen machen Sie sich klar, dass Sie auch keinen Ertrag erwarten dürfen.
  2. Das durch die niedrigen Zinsen billige Geld begünstigt Übertreibungen. Hier sahen wir diesen Sommer gerade eine deutliche Korrektur und es wird nicht die Letzte gewesen sein. Seien sie also vorsichtig, wann Sie investieren.
  3. Niedrige Zinsen fördern jene Investitionstätigkeit, die in der Regel oft gerade nachhaltige Firmen auszeichnet. Tesla, relativ hoch verschuldet, wäre beispielsweise bei hohen Zinsen vielleicht schon Pleite gegangen. Sehen Sie diese niedrigen Zinsen also auch als eine Chance für Investitionen in die Zukunft. Diese sind gerade günstig zu tätigen.

Langer Rede kurzer Sinn: Das Umfeld für nachhaltige Aktien, Aktienfonds und andere Formen des Direktinvestments ist aus der Zinsperspektive gut. Ob diese Formen für Sie eine geeignete Anlageform darstellen beurteilen Sie aber bitte selbst oder nach einem Gespräch mit einer Expertin oder einem Experten.

Nachhaltigkeitsratings am Beispiel VW

Die Causa rund um die manipulierten Motoren von Volkswagen bietet mir die Möglichkeit, Nachhaltigkeitsratings einmal einem Praxistest zu unterziehen und gleichzeitig die Auswirkungen dieser Ratings zu beleuchten.

Anfangs eine kurze Erklärung, was Nachhaltigkeitsratings sind. Hier beurteilen Agenturen wie Inrate, Oekom oder Sustainalytics den aktuellen Zustand von Staaten und Unternehmen unter sozialen und ökologischen Aspekten. Die Methodik und die Kriterien, die dabei angelegt werden, unterscheiden sich teilweise enorm, ebenso deren Gewichtung. Die Nachhaltigkeitsanalyse steht für den interessierten Anleger neben der finanziellen Unternehmensanalyse. Erst wenn beide Ampeln auf grün stehen wird investiert.

Der Vollständigkeit halber sei erwähnt, dass es durchaus viele Investmentfonds gibt, die Branchen ganz ausschließen, beispielsweise dann, wenn deren CO2 Ausstoß zu hoch ist. Diese Fonds verzichten also völlig auf Hersteller von Verbrennungskraftmaschinen. Tesla wäre aber in diesem Fall sehr wohl investierbar.

Zurück zu VW. Hier habe ich zwei aktuelle Ergebnisse vorliegen, einmal von RobecoSAM, die selbst Fonds auflegen und für Dow Jones den DJ Nachhaltigkeitsindex (DJSI) erstellen, und weiters jene von yourSRI, einer Marke der Liechtensteiner Center for Social and Sustainable Products AG (CSSP), die Nachhaltigkeitsresearch betreibt.

RobecoSAM – darauf verweist VW selbst sehr stolz am 11.09.2015 – hat Volkswagen nach 2013 heuer wieder als Branchenführer im Automobilbereich bewertet. 89 von 100 Punkten im ökologischen und 91 von 100 Punkten im sozialen Bereich reichten für Platz 1 unter 33 Autoherstellern. Damit ist VW im DJSI vertreten und  für viele institutionelle Investoren in deren nachhaltigen Produkten auch jetzt noch kaufbar.

Erratum: Auch RebocoSAM hat reagiert und VW am 29.09.2015 aus dem DJSI entfernt. Dank am Max Deml von Öko-Invest für die Richtigstellung.

YourSRI hingehen hat in seinem Nachhaltigkeitsrating VW seit 2013 hinter BMW und Daimler mit einem BB bewertet (die Skala reicht von AAA bis CCC). VW hat sich diesbezüglich sogar im August 2015 verbessert, weil u.a. Fortschritte beim CO2-Flottenausstoß erzielt wurden, aber schon im September fiel das Rating auf CCC und damit in den Keller. Manipulationen in großem Stil, also Lügen, passen einfach nicht zu Nachhaltigkeit.

Die Käufer dieser Analysen entscheiden selbst, ab welchem Rating sie in eine Firma investieren. Ich persönlich sehe Investierbarkeit aber erst ab einem Rating von BBB oder besser noch A als gegeben an und damit wäre VW für mich nicht im kaufbaren Universum enthalten.

Fazit: Dow Jones sah nach den Ergebnissen der RobecoSAM-Analyse VW bis zum 29.09.2015 als investierbar an. YourSRI tätigt hier zwar keine eigene Aussage, aber in den ernsthaft an YourSRI orientieren Portfolios war VW entweder ohnehin nie enthalten oder musste auch im September entfernt werden.

Ich hoffe, es ist der geneigten Leserschar nach Lektüre dieser Zeilen klar geworden, dass dieses Thema gleichermassen komplex wie wichtig ist. Es gibt demnach Ratings und Indices, die aus meiner Sicht nicht besonders ernst zu nehmen sind, aber eben auch solche, die sehr wohl wertvolle Informationen darüber geben können, ob ein Unternehmen investierbar ist oder nicht, und die die Entwicklung eines Unternehmens unter Nachhaltigkeitsaspekten gut darstellen. Daraus kann man ersehen, dass qualitativ gute Ratings einen wertvollen Orientierungspunkt für nachhaltige Investoren darstellen können, aber alleine zur Investitionsentscheidung nicht reichen.

Apple – auf einem guten Weg?

Smartphones sind mit einer in Österreich durchschnittlichen Nutzungsdauer von 2,7 Jahren nicht gerade ein Beispiel für nachhaltigen Konsum. Berichte über die Arbeitsbedingungen bei chinesischen Herstellern fast aller Modelle und zwielichte Praktiken bei der Gewinnung notwendiger Rohstoffe in Afrika haben die gesamte Branche in ein schlechtes Licht gerückt. Trotzdem haben über 70% der Deutschen ein Smartphone, in Österreich wird es nicht viel anders sein.

Nachdem das niederländische Startup Fairphone 60.000 Stück eines möglichst fair und nachhaltig produzierten Telefons verkauft hat und gerade am Nachfolgemodell „Fairphone 2“ arbeitet, ist aber Bewegung in die Branche gekommen. Und wer, wenn nicht Apple, sollte auf diesen Zug aufspringen? Und wer, wenn nicht Apple, kann hier Bewegung hineinbringen? Der Vergleich mit Fairphone macht sicher: Apple hat 2014 weltweit über 190 Millionen iPhones verkauft.

Nun hat Apple, beispielsweise in einem Interview mit der Wiwo green, Details zu seinen Anstrengungen in Richtung Nachhaltigkeit bekanntgegeben. So sinkt der CO2-Verbrauch eines neuesten iPhones von 95 Kilogramm auf 80 Kilogramm. Hier hat Apple vorbildlicherweise schon den Verbrauch über die gesamte Nutzungsdauer analysiert! Der Großteil der CO2 fällt aber in der Herstellung an, daher beziehen die Zulieferer des Aluminiums ihre Energie mittlerweile aus Wasserkraft, die Rechenzentren Apples arbeiten mit erneuerbarer Energie, der Konzern in Summe zu 90% mit Strom aus regenerativen Energiequellen. Ein Satz aus dem zitieren Interview mit Lisa Jackson, bei Apple stellvertretend für Umwelt-und soziale Initiativen zuständig: „Wir sind keine Wohltätigkeitsorganisation. Eine saubere Energieversorgung ist Good Business und ein Wettbewerbsvorteil für uns.“ Ich wünsche mir, dass diese Geisteshaltung in möglichst vielen Konzernzentralen Einzug hält.

Auch die von Fairphone erstmals angewandte Praxis, zumindest einige Rohstoffe aus nachhaltigen Quellen zu beziehen, hat in Apple einen prominenten Nachahmer gefunden, der naturgemäß einen deutlich höheren Einfluss auf dieses Thema hat. Apple ist immerhin nach Samsung der zweitgrößte Hersteller von Smartphones weltweit und damit ein Großeinkäufer dieser Rohstoffe.

Wenn Apple auf diesem Weg konsequent und transparent weiter geht, sehe ich durchaus Potential, dass Apple als eines der ersten wirklich großen Unternehmen dieses Planeten für zumindest „hellgrüne“ Investoren ein Thema wird. Ich persönlich glaube Apple, dass das Unternehmen aktiv für eine bessere Welt eintreten, diese Idee hat – neben erstklassigem Design – die Firma groß gemacht und wurde immer, wenn auch in unterschiedlicher Intensität und Ausrichtung, verfolgt. Problematisch sehe ich Apples Umgang mit Transparenz, die aber eine conditio sind qua non für nachhaltige Investoren ist. Ich bin gespannt, wie Apple sich hier in Zukunft positionieren wird und werde an dieser Stelle weiter darüber berichten.